Montag, 20. Juni 2011

Kulturelle Differenzen & ein Wochenende in Shanghai

Die letzte Woche begann für mich damit, das relativ überraschend meine chinesische Freundin Jessi zu Besuch kam. Wir hatten ausgemacht, dass sie mich demnächst mal besuchen kommt, allerdings hab ich ihr gesagt, dass ich nur am Wochenende kann, da ich ja jeden Tag Uni hab und bald Prüfungen sind. Am Montag kam sie dann an. Bisher hatten wir uns immer blendend verstanden, doch während ihres Besuchs wurden zum ersten Mal die kulturellen Unterschiede extrem deutlich. Mit der Privatsphäre haben es die Chinesen anscheinend nicht so, ich möcht hier in aller Öffentlichkeit nicht zu sehr ablästern, aber so Sachen, wie beim Toilettengang die Tür offen zu lassen (das Bad ist wohl gemerkt in meinem Zimmer) find ich schonmal sehr seltsam. Und sie lief auch ganz gern halb nackt durch die Gegend. Nachdem ich drei Nächte in folge kaum geschlafen hab, weil wir uns das Bett geteilt haben, ist sie dann in der letzten Nacht noch aufs Sofa umgezogen. 

Und auch bei "Diskussionen" war es extrem schwierig, weil sie als Chinesin nicht einfach deutlich ihre Meinung sagt, sondern ewig drum herum redet und ich dafür ganz klar meine Meinung sage, was die Chinesen wohl oft als sehr beleidigend auffassen. Mein eigentlicher Plan, dann am Wochenende mit ihr feiern zu gehen, haben wir dann nicht umgesetzt, weil sie sich nicht dannach fühlt Abends länger als bis 23 Uhr unterwegs zu sein. Darum ist sie am Freitag wieder ab und ich mit Birgit nach Shanghai gereist. 

In Shanghai haben wir uns mit Antonia und Katharina und deren Freundin Kim getroffen, Sarah konnte krankheitsbedingt leider nicht mit. Der Hauptgedanke hinter dem Wochenende war mal die Nachtszene in Shanghai genauer abzuchecken, was uns auch eindeutig gelungen ist. Am Freitag waren wir erst im M2, wo es mir sehr gut gefiel. Sehr großer, stylischer Club. Es war allerdings ziemlich voll, wie so oft in China. Und die Musik hat den anderen Mädels auch nicht zugesagt, mir dafür umso mehr. Im Anschluss sind wir dann in den Skyclub, welcher mir persönlich jetzt nicht ganz so sehr zusagt. Am nächsten Tag haben wir eingermaßen ausgeschlafen und haben unser gratis Frühstück verpasst. Wir haben wieder im gleichen Hostel geschlafen, diesmal aber in einem Dorm um Geld zu sparen. Das war ein 6er Zimmer, in dem wir 5 alleine waren, das kostet etwas weniger als 5€ die Nacht und das Frühstück ist inbegriffen, leider nur bis 9.30 Uhr.




Da es das ganze Wochenende durchgehend geregnet hat, sind wir dann in ein Museum für Kunst und Design gegangen. Ich fand es sehr schön dort, wir waren die meiste Zeit die einzigen Gäste. Anschließend sind wir zum Fakemarket und haben ein wenig geshoppt. Und hier könnt ihr alle mal ganz stolz sein, Bai Ting hat sich quasi keine Klamotten gekauft. Ich hab mir nur einen Seidenkimono gekauft und einen wunderschönen kleinen Koffer. So musste ich dann also mit zwei Köffern wieder zurück reisen.                                      


Am Samstag Abend hat dann Kim, die Freundin von den zwei Mädels, die erste Location ausgesucht. Und dieses besagte Etablissement trägt den Namen "Red", wer sich bei dem Namen jetzt an Blue Oyster Bar erinnert fühlt, liegt komplett richtig. Mir war das äußerst unangenehm, aber die zwei Mädels aus Qingdao, hatten Kim versprochen, dass wir so eine Bar aufsuchen. (Über dieses Vorhaben wurden wir vorher natürlich nicht informiert) Sehr interessantes Erlebnis jedenfalls, muss ich nie wieder haben. Wir vier haben uns dann recht bald auf den Weg ins "Shelter" gemacht. Das ist ein Club der tatsächlich ein Keller, schon fast ein Bunker, ist. Fand ich richtig toll, die Location war einfach abgefahren und die Musik noch viel mehr. War Drums & Base, für diejenigen denen das was sagt. Die anderen Mädels sind alle nicht so die großen Fans von elektronischer Musik, aber irgendwann konnten sie sich dann auch nicht mehr dagegen wehren und haben sich dem Rhytmus der Musik hingegeben. 

Am Sonntag haben wir es dann tatsächlich zum gratis Frühstück geschafft, um auch nochmal bisschen was für unsere 5€ pro Nacht rauszuholen :-) . Anschließend gings zu Madame Tussuads. War eigentlich ziemlich cool und vergleichsweise zu den anderen Ländern recht günstig, für ca. 12€ für Studenten. Leider gab es sehr viele chinesische Wachsfiguren, die uns natürlich vollkommen fremd waren und aus den chinesischen beschriftungen hat sich uns auch nicht erschlossen, wer da dargestellt wird. Aber es gab auch die Typischen Stars wie Brad & Angelina, Lady Gaga usw. Leider hat Britney Spears, Johnny Depp usw. gefehlt. 







Donnerstag, 9. Juni 2011

端午節 - Drachenbootfest & Diverses

Anscheinend hat nun die Regenzeit angefangen, zwar regnet es gar nicht so viel am Stück, aber dafür dass es hier normal sehr selten regnet, regnet es momentan relativ oft. Heute herrscht allerdings strahlender Sonnenschein und eine bisherige rekord Temperatur von 40°C. (Ich hab die leise Befürchtung, dass der Rekord noch steigen wird in den nächsten Monaten)

Wir hatten dieses Wochenende mal wieder ein verlängertes Wochenende, aufgrund des „Drachenboot Festes“. Bei diesem Fest werden Drachenboot Rennen veranstaltet und man isst Zongzi (粽子), etwas wie Reisklöse. Auf die Zongzi hab ich einfach mal verzichtet, aber am Montag Morgen sind wir in aller Frühe aufgestanden um uns ein Drachenboot Rennen anzuschauen. Relativ Unspektakulär muss ich leider sagen, die Boote sind ganz süß, ich hatte sie mir aber größer und imposanter vorgestellt. Vermutlich wurde der Eindruck auch etwas durch den Regen und die zahlreichen, drängenden Chinesen getrübt.



Gestern waren wir zum ersten Mal in einem chinesischen Schwimmbad. (Außenbäder haben noch nicht offen, weil es noch zu kalt ist, klar ne?) Das Schwimmbad war erstaunlich leer für China und das Wasser schien auch recht sauber, allerdings ist es für einen Eintrittspreis von fast 4 Euro recht schlecht ausgestattet. (kein Whirlpool, Dampfbad oder ähnliches, dafür aber schicke grünschimmlige Beckenränder).

Der chinesisch Unterricht ist in letzter Zeit manchmal ganz lustig, kürzlich haben wir ein chinesisches „Trinkspiel“ gespiet und die verlierer mussten dann statt trinken ein Lied singen. (Ich hab natürlich aufgepasst wie ne blöde, dass ich ja nicht Singen muss) Das ganze hat so funktioniert, dass der erste sagt „ein Frosch hat einen Mund, zwei Augen und 4 Beine“ und der nächste sagt dann „zwei Frösche haben zwei Münder, vier Augen...“, das ganze natürlich auf chinesisch, da kann man recht schnell raus kommen. Und heute haben wir eine virtel Stunde damit zugebracht ein chinesisches Lied zu singen.

Ansonsten erfreut es mich immer wieder aufs neue, wenn kleine Kinder ganz entzückt von mir sind und mich mit „großen“ Augen anschauen :). Vorher saß ich im Starbucks am Fenster,zum lernen, als ein Kind draußen am Fenster immer gegen die Scheibe getatscht hat um mit mir Händchen zu halten. Dann kam es sogar vermehr rein, um mir sein Spielzeug Auto zu geben und war sehr vergnügt dass ich mitgespielt hab. Anscheinend scheinen sogar die Kinder schon zu merken, dass wir irgendwie anders sind. Es kommt immer wieder vor, dass die kleinen ganz verplüfft auf einen Zeigen und wenn man dann winkt freuen sie sich riesig.


Gestern hab ich auch "endlich" mal eine Stinkefrucht erworben. Die Stinkefrucht ist eine Frucht, die man stets durch den ganzen Supermarkt richt, weil sie so furchtbar stinkt. Anscheinend soll diese besagte Frucht ja besser schmecken als sie riecht, kann ich jetzt aber nicht wirklich bestätigen. Sie schmeckt einfach seltsam, irgendwie süß, irgendwie bitter. Mal ganz abgesehen von dem Geschmack hat sie eine sehr komische Konsistenz, sieht eigentlich ehr hart aus, ist aber total weich und wie brei. Der Geschmack bleibt einem noch Stunden im Mund und der Gestank bleibt vermutlich Tage in der Wohnung. Naja, ein Versuch war es wert!

In zwei Wochen haben wir schon wieder Prüfungen und anschließend ist das Semester auch schon vorbei. Damit wär fast die Halbzeit erreicht. Mein Dad und mein Bruder werden mich besuchen kommen und wir werden eine große Reise durch China starten. Orte wie Tibet und Yunnan werden wohl die Höhepunkte darstellen, aber darüber könnt ihr dann hinterher ausführlich nachlesen. Auf jeden Fall zähl ich schon die Tage bis ich endlich freu hab und mal die schönsten Seiten von China sehen kann, die Stadt hängt einem irgendwann schon zum Hals raus, zumindest mir. 

Kussi bussi 

eure Bai Ting

PS: hier noch der Link zu dem schönen Lied, dass wir jetzt singen können (und von dem wir ziemlich den ganzen Text lesen und verstehen können ;-) )