Samstag, 23. Juli 2011

延吉市 & 长白山 (Yanji & Changbaishan)

Am Mittwochmorgen sollte die Reise also in aller Frühe weiter gehen. Um 4.47 Uhr bin ich aufgestanden, denn um 5.30 Uhr ging das Taxi zum Hongqiao Flughafen. Es hätte vermutlich auch noch eine Stunde später gereicht, aber der Vadder übertreibt bei sowas ganz gern mal. Hat dann auch alles wunderbar geklappt, wir waren zwei Stunden vor Abflug durch den Sicherheits Check und saßen am Gate.

Unser Flug führte uns nach Yanji in der Profinz Jilin. Wie auch alle anderen Stationen unserer Reise habe ich diesen Ort ausgesucht. In meinem Reiseführer wurde der „Changbaishan“, der immer weise Berg, empfohlen, weil es eines der größten Naturschutzgebiete Chinas ist. Im Flugzeug und am Flughafen wurde schnell klar, dass man in Jilin nicht oft „Langnasen“ sieht. Bereits im Flugzeug waren wir drei die einzigen Langnasen, was mir auf all meinen Chinaflügen bisher noch nie passiert ist. (Bin ja schon vier Mal innerhalb China geflogen).

Der Flughafen war dann auch in einem dementsprechenden Zustand, sehr klein & sehr baufällig. Nach dem wir unsere Koffer vom Band geholt haben sind wir nach drausen, wo eine Chinesin mit einem „Baitinger Anna“ Schild auf uns wartete. Der Englische Name der guten Frau ist „Marry“ und sie hat sich hier die letzten Tage um uns gekümmert.

Die erste Nacht sind wir in dem besten Hotel Yanji's abgestiegen, in dem laut Marry die Politiker absteigen, wenn sie Ihr weg nach Jilin führt. Am nächsten Morgen ging es dann bepackt mit allem Gepäck mit unserem Van und dem dazugehörigen Busfahrer zum Changbaishan. Wir fuhren ca. 3 Stunden bis wir am Eingang des Changbaishans waren. Von dort sind wir dann mit einem „green Bus“, so nennt Marry immer die dort fahrenden Touristen Busse, weiter gefahren. Der hat uns dann dorthin gebracht, wo man in die Jeeps umsteigt. In einen Jeep passen 6-11 Leute, und die Schlange war gigantisch. Nach fast einer Stunde warten, wurden wir dann auf verschiedene Jeeps verteilt. Ich glaub der in dem ich war, hatte einen besonders rasanten fahrstiel. Der ist mit quietschendne Reifen in Haarnadelkurven gebrettert wie ein irrer. So hat sich der Weg dann nochmal ca. eine halbe Stunde den Berg hochgeschlengelt. Wie die Schlange unten schon vermuten lies, war der Andrang oben immens. Wir haben uns dann in die Menschenreihe die den Berg hochführte eingereiht und konnten dann oben in dem gedrenge mühsam einige Fotos von dem Himmelssee schießen. Der Himmelssee bildet die Grenze zu Nordkorea, früher hat er angeblich ganz zu China gehört, bis Mao 1952 einen Teil an Nordkorea überschrieb. (Zumindest laut Marry, wenn man die Koreaner fragt, hat vielleicht ihnen der See zuerst gehört)

Anchließend ging es mit dem Jeep wieder runter, was sogar noch holpriger war als hoch. Der Busfahrer lies chinesischen Pop laufen, der wie eine Mischung aus Modern Talking und DJ Bobo auf chinesisch klang und uns hat es fast im gleichen Rhythmus durch den halben Jeep geschlagen. (Anschnallen is nich, ist ja klar oder?) Dannach haben wir noch einen Wasserfall und Heiße Quellen besichtigt. Dann gings in unser nächstes Hotel, das näher am Changbaishan liegt, als das erste in Yanji. Dieses Kaff hier heißt „Erdao“ und ist sehr sehr ländlich. Auf der fahrt hierher mussten wir zweimal Pinkelpausen einlegen und es war kein Vergnügen. Das erste Örtchen das wir aufsuchten, lag hinter einem Shop der hauptsächlich Ginseng verkauft. Hierbei handelte es sich um eine Strohhütte, in der auf dem Boden die üblichen Löcher eingelassen waren, aber ohne Spülung und ohne...jetzt haltet euch fest...Türen und Wände. Zwischen den einzelnen Löchern waren nur ca. 50 cm hohe Mauern, die wohl für die Privatsphäre sorgen sollten. Marry hat sich auch gleich mal fröhlich vor mir hingesetzt, aber das war mir dann doch irgendwie zu heftig. Ich bin dann nochmal raus und hab noch etwas frische Luft geschnappt und gewartet bis sie fertig war und bin dann schnell gegangen. Ich dachte ja schon dort der Gestank sei bestialisch, doch heute sollte ich eines besseren belehrt werden.

Heute wollten wir zum Westende des Himmelssees und sind wieder mit unserem Van in den Park gefahren, um von dort mit einem „grünen Bus“ weiter zu fahren. Dort hat uns Marry wieder zu einer „sauberen“ Toilette geführt. Auch hier gab es kein fließendes Wasser, demenstprechend konnte man noch, nennen wir es mal das „Geschehen“ der letzten Tage oder Wochen verfolgen. Als ich beim schließen der Tür schon begonn fürchterlich zu würgen, bin ich abrupt wieder aus und hab mich einfach durch den VIP Eingang hinter das Haus geschlichen.

Nach dem wir uns dann alle erleichtert hatten, reihten wir uns in die Schlange für den Grünen Bus ein, der dann wieder in schnittigem Tempo den Berg hochfuhr. Als wir oben ankamen, fiel unsere Wanderung zum Himmelssee allerdings wortwörtlich ins Wasser. Es begann in Strömen zu Regnen und die Menschenmengen drängten wie die irren zurück in die Busse. Wir beschlossen sofort wieder runter zu fahren, und den See diesmal sausen zu lassen. Nach langem warten, bis alle die Chinesen erstmal einige Minuten im Bus unter standen, um dann wieder unter lautem getöse raus und wieder reinzuströmen fuhr der Bus dann wieder nach unten. Stattdessen haben wir dann das „Valley“ besichtigt, wobei wir klitschnass wurden. Dannach gings dann wieder mit unserem Van zum Hotel. Wir haben dann im Hotel zu Abend gegessen, wir hatten außer dem Frühstück den ganzen Tag kaum was zu uns genommen. Und das frühstück viel recht karg aus, da es nur Dinge wie gebratene Nudeln, Suppe und Paprika gab. Wir haben uns dann ein bisschen Obst und ein Ei genommen. Sich schon am frühen Morgen gebratene Sachen reinhauen war dann doch etwas zu heftig. Und nun sitzen wir im Hotelzimmer, denn morgen geht’s schon früh wieder weiter.

Mir persönlich hat es in Jilin trotz der teilweise sehr einfachen Verhältnisse sehr gut gefallen, ich denke ich hab eine gute Wahl getroffen. Nachdem ich jetzt seit fast einem halben Jahr in einer groß Stadt lebe, mit ständigem Lärm und Smog war es mir sehr wichtig, mal wieder ins grüne zu kommen. Das war hier auf jeden Fall geboten. Ich habe kaum so grüne Berge und Wälder gesehen. Ich schätze das liegt am vielen Regen und der hohen Luftfeuchtigkeit. Ich glaube den zwei Männern, zumindest dem Felix, hat es hier nicht ganz so gut gefallen. Die beiden waren doch etwas geschockt, von den Zuständen die hier herrschen. Den Dad haben hauptsächlich die Menschenmassen gestört, die ich auch nicht ab kann, aber an die ich mich bereits ein bisschen gewöhnt hab. Und ich glaub dem Felix war das fehlen von fließendem Wasser auf den öffentlichen Toiletten zu heftig. (Mir eigentlich auch) Alles in allem ist es jedenfalls einen Stopp auf einer Chinareise wert. Ich nenn es einfach mal eine „authentische Erfahrung“ ;-).


Kussi Bussi

eure Bai Ting

1 Kommentar:

  1. Hallo Anna, ich bin total begeistert von deiner Art zu schreiben. Du kannst deine Leser mitreißen und deine wunderschoenen Fotos laden ein, mit euch auf Reisen gehen!!! Weiter so! Ich finde deine Berichte einfach Klasse!!! Ganz liebe Grüße, Jeannette

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