Der Flug von Guilin nach Kunming, in Yunnan verlief abgesehen von einer kleinen Verspätung problemlos und wir kamen am Abend in Kunming an. Dort erwartete uns bereits unser, diesmal englischsprachiger Guide, mit dem seltsamen Namen „Nunchaku“. Am nächsten Morgen hieß es schon wieder aus checken und eine ca. siebenstündige fahrt antreten. Umso mehr wir uns Yuanyang näherten, desto holpriger wurde die Strecke. Auf dem Weg mussten wir sogar einer Büffelfamilie die die Straße überqueren wollte ausweichen.
Die kleinen Dörfer die wir auf unserem Weg durchquerten waren extrem einfach, mit Hühnern und Schweinen die einfach auf der Straße umher laufen und Menschen der „Hani Minderheit“, die durch ihre Farbenfrohe Tracht auffallen. In so einem Dorf befand sich dann auch unser Hotel in dem wir spät am Abend ankamen. Wir gingen in einem Restaurant gegenüber dem Hotel essen und das chinesische Essen dort war erstaunlich gut. Nachdem wir gegessen hatten, fragte uns unser Guide, ob wir am nächsten Morgen den Sonnenaufgang über den Reisterrassen anschauen wollen, dazu müsse man aber schon um 5.30 Uhr losfahren. Für mich gab es da nicht viel zu überlegen, natürlich würden wir den Sonnenaufgang ansehen wollen. Aber 5.30 Uhr erschien uns ein bisschen spät, also haben wir vorgeschlagen schon um 5 Uhr loszufahren. Das sollte sich am nächsten Tag als sehr gute Idee herausstellen, denn andernfalls hätten wir den Sonnenaufgang wohl verpasst.
Um 4.30 Uhr stand ich auf, und pünktlich um 5 Uhr sind wir los gefahren. Es war aber so dunkel und neblig, und die Strecke so holprig, dass wir nur in einem sehr langsamen Tempo vorwärts kamen. Der Fahrer hat teilweise gar keine Sicht gehabt und am Straßenrand ging es oft ohne Sicherung steil den Berg herunter. Als wir dann nach ca. einer Stunde fahrt endlich an dem Aussichtspunkt ankamen, hatten wir noch ungefähr 10 Minuten bis die Sonne aufging. Nachdem unzählige Fotos im Kasten waren und der Nebel sich langsam über die Landschaft legte, kehrten wir zurück zum Auto, an dem unsere Fahrer gerade dabei war ein Rad zu wechseln. Das alte Rad wäre nämlich platt. Im weiteren Tagesverlauf haben wir dann an verschiedenen Aussichtsplattformen gehalten um verschiedene Ausblicke auf die Reisterrassen zu bekommen. Wir machten auch in einem winzig kleinen Dorf halt, um durch einen Markt zu schlendern.
An unserer letzten Aussichtsplattform kamen wir schon am Mittag gegen 14 Uhr an und der Plan war, an dieser Stelle den Sonnenuntergang anzusehen. Also hatten wir dort sehr viel Zeit totzuschlagen. Als wir auf den Parkplatz fuhren kamen sogleich mehre Kinder herbei gerannt und haben das Auto verfolgt, um uns Postkarten zu verkaufen. Wir stiegen aus und sofort klebten an jedem ein zwei Kinder mit Hundeblick, die bettelten „kauf ein Postkartenset“. Die Kinder taten mir schon ziemlich leid, wobei ich ehrlich gesagt nicht glaube, dass es ihnen besonders schlecht ging. Ihre Familien leben vermutlich vom Reisanbau und der Postkarten dient nur zum Nebenverdienst. Andernfalls müssten sie schon lange verhungert sein, denn im Verlauf des Tages kamen nur 2-3 Busse mit Touristen an und von denen hat keiner was gekauft. Wir haben wieder Fotos von den Reisterrassen und auch von den Menschen dort gemacht. Allerdings war dabei Vorsicht geboten, denn unser Guide hatte uns gewarnt, dass viele Leute dieser Minderheit der Meinung sind durch ein Foto das man von ihnen macht, würde ihnen ihre Seele genommen werden. Als wir dann auf einem Bänkchen saßen, kamen zwei alte Herren zu uns und haben uns „Daumen hoch“ gezeigt. Mit Zeichensprache haben wir dann gefragt ob es okay sei, ein paar Fotos von ihnen zu schießen, und die beiden haben sich bereitwillig ablichten lassen. Weil die beiden so urig und so freundlich waren, wollte der Vadder ihnen dann ein Bier ausgeben. Unser Guide hat für uns übersetzt, von meinem Chinesisch verstanden die Guten leider kein Wort. (Ich hoffe einfach, dass es an dem Dialekt und dem eingeschränkten Hörvermögen der alten lag und nicht an meinem Chinesisch) Also gingen wir mit den beiden alten in ihr „Restaurant“ auf der anderen Straßenseite, um ihnen dort ein Bier zu kaufen. Das „Restaurant“ war mehr eine Garage, in der ein Tisch stand, an dem die ganze Familie, mitsamt der Enkelkinder, versammelt saß. Erst wollten die beiden das Bier gar nicht annehmen, sondern wollten im Gegenteil uns auf ein Getränk einladen. Vadder hat dann aber darauf bestanden, dass sie es annehmen und dafür haben Felix und ich von dem alten ein Eis bekommen. Uns wurden dann winzig kleine Hocker gebracht und wir haben uns mit in die Runde gesetzt. Einer der alten hat uns dann fleißig auf chinesisch zu getextet und unser Guide hat uns immer übersetzt was er gesagt hat. Er meinte, dass früher nie Ausländer in ihr Land gekommen seien, und seit dem China geöffnet wurde, zwar ab und zu mal Ausländer mit Bussen durch ihr Dorf fahren, er aber noch nie persönlich welche gesehen hätte. Immer wieder sagte er wie willkommen wir hier seien (das hab ich sogar verstanden) und zum Abendessen wollte er uns auch einladen. Auf das Abendessen haben wir beim Anblick der Küche lieber verzichtet, waren aber sehr dankbar für die Gastfreundschaft. Später hat er uns sogar angeboten bei ihm im zu wohnen. Dort mit den Chinesen in ihrem Garagenrestaurant am Tisch zu sitzen, war das authentischste was ich in China bisher erlebt habe.
Wir haben uns dann von den alten verabschiedet und sind wieder zurück zur Aussichtsplattform, die verschiedene Ebenen den Berg hinab verteilt hatte. Wir stiegen dann die unzähligen Treppen bis ganz nach unten und haben geknipst wie die Weltmeister. Dann haben wir uns langsam wieder hoch gearbeitet und auf jeder Ebene eine Pause und noch mehr Fotos gemacht. Auf einer dieser Ebene lebte auch eine kleine Familie, die dort in ihrem Wohnraum Dinge zum verkauf ausliegen hatten. Schwer zu fassen, dass sie dort wirklich in einer Hütte, ohne fließend Wasser, in einem Zimmer mit einer Herdplatte leben. Aber immerhin ein Fernseher hatten sie da stehen.
Auf einer der Aussichts-ebenen haben Felix und ich sogar ein kleines Nickerchen gehalten, immerhin galt es immer noch mindestens 3-4 Stunden bis zum Sonnen-untergang totzuschlagen. Als wir wieder oben waren, kamen gleich wieder die Kinder um uns Postkarten zu verkaufen. Ich wollte eh schon den ganzen Tag welche kaufen und hab dann letztendlich 2 Sets gekauft, aber erst nach dem ich die Kids erbarmungslos runtergehandelt hatte. Felix und ich haben uns dann dort in einem kleinen laden eine „kekoukele“ (Coca Cola) und eine Suppe gekauft. Die Suppe ist in einem Papiercontainer, in den heißes Wasser gegossen wird. Die Frau im Laden hat uns die Suppe aufgegossen und wir haben dann direkt im Laden auf zwei kleinen Hockern die Suppe gegessen. Auch sehr authentisch, wie wir da in dem Laden saßen, die Verkäuferin hat uns dort dann einfach allein gelassen. Unser Guide hatte sich inzwischen zu den Hani Frauen und den Kindern gesetzt und ihnen Massagen verpasst. Uns wollte er auch die traditionelle chinesische Medizin „fühlen lassen“, aber wir wollten lieber nichts fühlen.
Gegen 18 Uhr sind wir dann wieder die vielen Treppen runter, um weitere Fotos bei Dämmerlicht zu schießen. Die Sonne selbst konnten wir beim untergehen nämlich gar nicht sehen von dort wo wir waren.


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